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Silvesternacht Köln – Auswirkungen auf Pfefferspray Nachfrage

Silvesternacht Köln und die Nachfrage nach PfeffersprayDie Silvesternacht von Köln, oder in Bezug auf diesen Artikel zutreffender, die sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht 2015 auf 2016, sind vermutlich allen noch in guter Erinnernung. Welche abscheulichen Übergriffe in dieser Nacht am Kölner Hauptbahnhof und einigen weiteren deutschen und europäischen Städten stattfanden, wurde bereits in zahllosen Medien ausführlich dargestellt. Eine, unserer Ansicht nach, sehr gute Übersicht zu den Vorkommnissen dieser Nacht findet ihr in diesem Artikel auf Wikipedia.

Wir wollen daher nicht erneut auf die Hintergründe, potentielle Ursachen und die Täter dieser sexuellen Übergriffe auf Frauen eingehen. Vielmehr soll der Frage nachgegangen werden, welche Auswirkungen dies auf die Nachfrage nach Pfefferspray und anderen Selbstverteidigungswaffen hatte. Zudem sollen auch weitere Ereignisse, welche zu einem Anstieg der Pfefferspray Nachfrage führten beleuchtet werden.

Besonders eindrucksvoll lässt sich dies mit Sicherheit an Hand des folgend dargstellten Suchvolumens über den Suchmaschinenbetreiber Google darstellen. Die folgende Grafik zeigt dabei die Anzahl der Suchanfragen aus dem Themenbereich Pfefferspray. Es ist zu beachten, dass hierbei auch verschiedene Suchkombinationen und zum Thema „Pfefferspray“ passende Suchanfragen miteinbezogen werden.
Dazu gehören z.B. Begriffe wie Pfefferspray Pistole, Abwehrspray oder auch Anfragen zu speziellen Produkten wie beispielsweise dem JPX Jet Protector oder Fox Labs Mean Green Pfefferspray.

Suchanfragen nach Pfefferspray im Januar 2016

Wie in der Abbildung gut zu sehen, sind die Anfragen von Januar 2015 bis August 2015 relativ konstant bei etwa 40.000 Suchanfragen zum Thema Pfefferspray. Im darauf folgenden September sowie den zwei folgenden Monaten ändert sich die Situation jedoch bereits in nicht unbeachtlichem Ausmaß.
So stiegen die Suchanfragen im September auf über 90.000 sowie im Oktober und November 2015 bereits auf fast 150.000.

Der Grund hierfür liegt vermutlich in den Massen von Flüchtlingen, welche sich zu Fuß Richtung Deutschland bewegten sowie der umstrittenen Entscheidung der Bundeskanzlerin, die bereits seit mehreren Tagen in Budapest festsitzenden Flüchtlinge mit Zügen nach Deutschland zu holen.
Diese Entscheidung war vermutlich auch Ausschlaggebend dafür, dass recht bald bis zu 13.000 Flüchtlinge täglich in Deutschland ankamen, was wiederum für eine nicht unerhebliche Unsicherheit in der Bevölkerung sorgte.

Explodierende Pfefferspray Nachfrage im Januar 2016

Während im Dezember 2015 die Nachfrage nach Pfefferspray und anderen Selbstverteidigungswaffen langsam wieder zurückging, explodierten die Suchanfragen nach bekanntwerden der sexuellen Übergriffe in der Silvesternacht förmlich.
So wurden im Januar 2016 nahezu 570.000 Suchanfragen zum Themenbereich Pfefferspray registriert – dies übertrifft die Suchanfragen eines gesamten „normalen“ Jahres!
Wie folgenden Grafiken zu entnehmen, stiegen natürlich auch die Anfragen zu anderen Selbstverteidigungswaffen sowie auch zur Erlangung eines Waffenscheins oder zu Selbstverteidigungskursen stark an:

Natürlich stiegen zu dieser Zeit nicht nur die Suchanfragen nach Pfefferspray oder alternativen Selbstverteidigungsmittel, sondern auch die Käufe selbst. Da sowohl die verschiedenen Händler, als auch die Hersteller selbst, nicht mit einer derart großen Nachfrage rechnen konnten waren innerhalb kürzerster Zeit kaum mehr Pfeffersprays oder auch Schreckschusswaffen erhältlich.
Auf unsere Nachfrage bei verschiedenen Händlern und Herstellern gab es immer die gleiche Antwort: „Liefertermine noch unbekannt – vermutlich erst in mehreren Wochen“.

Pfefferspray wochenlang ausverkauft

Genau so kam es dann auch, über mehrer Wochen war es kaum noch möglich Pfefferspray zu kaufen. Einige Modelle, wie beispielsweise die Piexon Pfefferspraypistole JPX Jet Protector, war sogar mehrere Monate lang nicht mehr erhältlich.
Zudem waren viele Selbstverteidigungskurse für Frauen ausgebucht und die Wartezeiten bei der Ausstellung des sogenannten kleinen Waffenscheins nahmen deutlich zu.

Kleiner Waffenschein – stark gestiegene Anzahl der Anträge

Wie der vorangegangenen Grafik zu entnehmen, stieg auch das Suchvolumen zum Thema Waffenschein nach den sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht 2015/2016 massiv, auf über eine Million Suchanfragen, an. Anträge kleiner Waffenschein nach Silvesternacht KölnIn Deutschland zeigte sich dieses stark gestiegene Interesse insbesondere in der Anzahl neuer Anträge auf Ausstellung des kleinen Waffenscheins.

Der kleine Waffenschein ist seit 2003 Voraussetzung, um beispielsweise Schreckschuswaffen (Gaspistolen usw.) in der Öffentlichkeit führen, also bei sich tragen, zu dürfen. Voraussetzung für die Ausstellung des kleinen Waffenscheins ist, dass der Antragsteller mindestens 18 Jahre alt, zuverlässig und persönlich geeignet sein muss. Der bloße Erwerb und das Bereithalten in der eigenen Wohnung oder in Geschäftsräumen bedarf jedoch keiner Genehmigung.

Während beispielsweise in Köln der kleine Waffenschein im Jahr 2015 ingesamt 408 mal ausgestellt wurde, gingen bis Mitte Januar 2016 bereits über 300 neue Anträge bei der zuständigen Behörde ein. Eine ähnliche Steigerung zeigte sich auch in vielen weiteren Städten.

Die Situation in Österreich

Auch in Österreich stieg die Nachfrage nach Pfeffersprays, Elektroschocker und anderen legalen Selbstverteidigungswaffen stark an.
Auch die Anträge auf Ausstellung einer Waffenbesitzkarte, welche zum Erwerb von Faustfeuerwaffen oder halbautomatischen Gewehren benötigt wird vervielfachte sich.

Wir haben uns im Januar bei verschiedenen Waffenhändlern in Österreich nach der Verfügbarkeit von Faustfeuerwaffen der Marke Glock und Schrotflinten der Kategorie D erkundigt.
Bei allen aufgesuchten Händlern war dabei keine dieser Waffen unmittelbar erhältlich. Auch die Wartezeiten an verschiedenen Schießständen überraschten uns doch.

Übertriebene Angst oder logische Konsequenz?

Die zunehmende „Aufrüstung“ mit Pfefferpray, Schreckschusswaffen oder anderen Selbstverteidigungsmitteln kann sicherlich auf eine hohe Verunsicherung der Bevöllerung zurückgeführt werden. Blickt man auf die Vorkommnisse in Köln zurück, ist dies auch nachvollziehbar.
Die Polizei war in dieser Nacht laut zahlreichen Zeugenaussagen auf Grund der Unterbesetzung völlig überfordert, und konnte vielfach nicht eingreifen.

Die Forderungen verschiedener Organisationen und Parteien in Deutschland und Österreich nach einer weiteren Verschärfung des Waffengesetzes und weiteren Einschränkungen für den Erwerb von Schreckschuswaffen und anderen nichtletalen Waffen ist unserer Ansicht nach kritisch zu hinterfragen.
Sicherlich werden legale Selbstverteidigungsmittel auch vereinzelt missbraucht. Der Großteil der Menschen sieht darin jedoch ausschließlich die Möglichkeit in einer Notsituation, zumindest eine erhöhte Chance auf Gegenwehr zu haben.